Grundlagen

Warum ein Absatz nicht dasselbe ist wie eine Überschrift

„Groß und fett" sieht aus wie eine Überschrift. Für einen Browser, eine Suchmaschine oder ein Screenreader-Programm ist es aber nur dann eine, wenn es auch wirklich als eine gekennzeichnet ist. Der Unterschied zwischen „aussehen wie" und „sein" ist einer der am meisten unterschätzten Punkte im Web — und einer der am leichtesten zu vermeidenden, wenn man einmal weiß, worauf man achten muss.

Was eine Überschrift wirklich tut

HTML kennt sechs Überschriften-Ebenen, <h1> bis <h6>. Sie bilden eine Gliederung — wie ein Inhaltsverzeichnis, nur unsichtbar im Code statt auf einer eigenen Seite. Ein Screenreader kann sich diese Gliederung vorlesen lassen und direkt zum nächsten Abschnitt springen. Suchmaschinen nutzen sie, um zu verstehen, wovon eine Seite eigentlich handelt.

<!-- sieht aus wie eine Überschrift --> <p><strong style="font-size: 24px"> Unsere Angebote </strong></p> <!-- ist eine Überschrift --> <h2>Unsere Angebote</h2>

Im Browser sehen beide Zeilen identisch aus. Für alles, was den Code liest statt nur das Bild zu sehen, ist nur die zweite Version tatsächlich eine Überschrift.

Warum das für dich als Redaktion wichtig ist

Die meisten Redaktionssysteme verstecken diesen Unterschied nicht — sie zeigen ihn sogar deutlich, wenn man weiß, wo man hinschauen muss: In der Formatierungsleiste des Editors gibt es meist ein Dropdown mit „Absatz", „Überschrift 2", „Überschrift 3" — nicht nur „fett" und „größer". Diese richtige Auswahl zu treffen, kostet keine zusätzliche Zeit. Sie entscheidet nur, ob die Struktur, die du siehst, auch die Struktur ist, die im Code steht.

Groß und fett ist eine Behauptung. Eine echte Überschrift ist eine Tatsache.

Wenn ich ein Backend baue, richte ich die verfügbaren Formate genau danach aus, was eine Seite inhaltlich braucht — nicht danach, was ein Editor technisch alles könnte. Weniger Auswahl, aber jede Option bedeutet auch das, was sie behauptet.

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